Betelnuss – Verleiht Flügel

 

Ich beobachte eine Frau, die hellgrüne Blätter mit einer weißen Paste bestreicht. Sie legt ein paar bräunliche Krümel darauf und schnürt alles fein säuberlich zu einem Päckchen zusammen. Neugierig wage ich mich näher ran und ein angenehmer Geruch steigt mir in die Nase.

 

Als wir am ersten Tag in Yangon unterwegs sind wundern wir uns noch über die roten Flecken, die man überall am Boden findet. Was ist das bloß? Aber als wir an einem Stand vorbeikommen, an dem ein komisches Zeug in ein Blatt gewickelt wird und neben dem ein Mann steht, der Blut auf den Boden zu spucken scheint, ist uns alles klar. Es ist Betelnuss.

Die Betelnuss stammt von der sogenannten Betelnusspalme oder auch Betelpalme. In Myanmar begegnet man ihr überall. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen schieben sich gerne Mal einen Betelbissen in den Mund und kauen scheinbar ewig darauf herum. Wenn sie einem dann ihr schönstes Lächeln schenken hat man zwangsläufig das Gefühl in einen Zombiefilm geraten zu sein. Ihr Speichel ist so rot wie Blut und rote-braune, teils abgefaulte Zähne springen einem ins Gesicht 😬

  • Vorbereitung eines Betelbissens
  • Betelpfefferblatt
  • Betelnussverkäuferin
  • Fast fertiger Betelbissen
  • Betelnuss

 

Aber was ist die Betelnuss denn nun genau?

Die Betelnuss ist eine rötlich braune Frucht, an deren Haut ein Netz aus Adern verläuft. Schneidet man sie durch, setzen sich die Gefäße fort und erinnern stark an ein Gehirn. Und genau dort liegt auch ihr Wirkbereich. Sie ist eine Psychotrope Substanz und wirkt anregend, berauschend, euphorisierend, schwach betäubend und sedierend. Also ein bisschen so wie Alkohol.

Doch leider ist die Betelnuss nicht ganz ungefährlich. Bei längerem Konsum können Mundhöhlen- und Speiseröhrenkrebs die Folge sein. Abgesehen davon, dass das Zahnfleisch und die Zähne angegriffen werden und früher oder später ausfallen. Als Nebeneffekt erhöht sie auch den Speichelfluss, wodurch man sich daran gewöhnen muss, dass einem ständig vor die Füße gespuckt wird. Doch das ist in Myanmar ganz normal.

 

Der Betelbissen

Die Betelnuss wird am liebsten in Form des Betelbissens konsumiert und das wahrscheinlich schon seit tausenden von Jahren.

Dabei werden unreife Betelnüsse  kleingehackt und in ein Blatt des Betelpfeffers gewickelt, das zuvor mit gelöschtem Kalk bestrichen wurde. Dieser sorgt dafür, dass der schwer absorbierbare Wirkstoff, Arecolin, besser vom Körper aufgenommen werden kann. Wegen des bitteren Geschmacks gesellen sich auch häufig noch Gewürze wie Pfefferminze, Lakritze, Nelken aber vor allem Kautabak hinzu.

  • Betelnussverkäufer

 

Unsere Betelnussbussfahrt

Wir sitzen in einem mit Menschen vollgestopften, öffentlichen Bus nach Mawlamyine und wie kann es anders sein, unser Sitznachbar zieht eine Plastiktüte aus seiner Tasche und stopft sich einen Betelbissen nach dem anderen in die Backe. Die Betelnuss wird echt überall konsumiert. Auch nicht in Gebäuden oder Bussen wird davor haltgemacht. Und wenn nicht durch das Fenster auf die Straße gespuckt werden kann, dann eben lautstark in einen Plastikbeutel. Wie appetitlich! 😖

Als er uns auf Englisch einen seiner Betelbissen anbietet, lehnen wir natürlich dankend ab. Schließlich haben wir bereits von den Symptomen gelesen und was einem widerfahren kann, wenn man zu viel davon erwischt oder an das Zeug nicht gewöhnt ist. Und ich sage nur so viel, ein Alkoholrausch ist ein Klacks dagegen. Doch es brennt mir auf der Zunge und ich frage, warum er Betelnuss kaut. Daraufhin erklärt er mir, weil sie seinen Appetit zügelt und den Geist belebt wenn der Körper schon schwächelt. Klingt irgendwie, wie die Werbung von Redbull – Betelnuss verleiht Flügel! 🤣 So wird er nicht so schnell müde und kann seine Arbeit viel besser erledigen. Dass er effizienter ist bezweifle ich, doch ich ich glaube ihm, dass es ihn besser mit den hier herrschenden wüstenähnlichen Temperaturen fertig werden und ihn alles nicht so eng sehen lässt.

  • Betelnussverkäuferin wartet auf Kundschaft
  • Betelbissen
  • Betelnuss
  • Markt in Myanmar
  • Betelnuss

 

Soll ich oder soll ich nicht?

Während er so mit mir spricht, steigt mir der bereits bekannte Geruch in die Nase. Es ist ein Duft, denn ich kaum beschreiben kann, denn etwas Ähnliches habe ich noch nie gerochen. Meine Nase nimmt eine zarte, blumig und seifig Note war. Komisch aber wahr, ich mag das Aroma des Betelbissens. Für mich riecht es total angenehm. Ich löchere meinen Sitznachbarn noch mit weiteren Fragen und er beantwortet mir alles, was ich wissen will. Irgendwie hat es mich neugierig gemacht und es würde mich jetzt doch reizen es auszuprobieren. Doch im Endefekt traue ich mich nicht 🙈. Der Respekt vor dem Unbekannten ist eben doch größer als der Reiz 😅.

 

Habst du den Betelbissen auch schon einmal probiert? Wie hast du es erlebt? Lass es mich wissen!

 

 

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