Betelnuss – Verleiht Flügel

Ich beobachte eine Frau, die hellgrüne Blätter mit einer weißen Paste bestreicht. Sie legt ein paar bräunliche Krümel darauf und schnürt alles fein säuberlich zu einem Päckchen zusammen. Neugierig wage ich mich näher ran und ein angenehmer Geruch steigt mir in die Nase.

 

Als wir am ersten Tag in Yangon unterwegs sind wundern wir uns noch über die roten Flecken, die man überall am Boden findet.  Was ist das bloß? Doch sobald wir an einem Stand vorbeigehen, an dem ein komisches Zeug in ein Blatt gewickelt wird und neben dem ein Mann steht, der Blut auf den Boden zu spucken scheint, ist uns alles klar. Es ist Betelnuss.

Die Betelnuss stammt von der sogenannten Betelnusspalme oder auch Betelpalme. In Myanmar begegnet man ihr überall. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen schieben sich gerne Mal einen Betelbissen in den Mund und kauen scheinbar ewig darauf herum. Wenn sie einem dann ihr schönstes Lächeln schenken hat man zwangsläufig das Gefühl in einen Zombiefilm geraten zu sein.  Ihr Speichel ist so rot wie Blut und rote- braune, teils abgefaulte Zähne springen einem ins Gesicht.

Aber was ist sie denn nun genau?

Die Betelnuss ist eine rötlich braune Frucht, an deren Haut ein Netz aus Adern zu verlaufen scheint. Schneidet man sie durch, setzen sich die Gefäße fort und erinnern stark an ein Gehirn.  Und genau dort liegt auch ihr Aktionsbereich. Sie ist eine  Psychotrope Substanz und wirkt anregend, berauschend, euphorisierend, schwach betäubend und sedierend. Also ein bisschen so wie Alkohol. Oder doch wie die Zigarette Asiens?

Doch leider ist die Betelnuss nicht ganz ungefährlich. Bei längerem Konsum können Mundhöhlen- und Speiseröhrenkrebs die Folge sein, abgesehen davon, dass das Zahnfleisch und die Zähne angegriffen werden und früher oder später ausfallen. Als Nebeneffekt erhöht sie auch den Speichelfluss, wodurch man sich daran gewöhnen muss, dass einem ständig vor die Füße gespuckt wird. Doch das ist hier in Myanmar ganz normal.

Die Betelnuss wird am liebsten in Form des Betelbissens konsumiert und das wahrscheinlich schon seit tausenden von Jahren.

Dabei werden unreife Betelnüsse  kleingehackt und in ein Blatt des Betelpfeffers gewickelt, das zuvor mit gelöschtem Kalk bestrichen wurde. Dieser sorgt dafür, dass der schwer absorbierbare Wirkstoff, Arecolin, besser vom Körper aufgenommen werden kann. Wegen des bitteren Geschmacks gesellen sich auch häufig noch Gewürze wie Pfefferminze, Lakritze, Nelken aber vor allem Kautabak hinzu.

Wir sitzen in einem mit Menschen vollgestopften, öffentlichen Bus nach Mawlamyine und wie kann es anders sein, unser Sitznachbar zieht eine Plastiktüte aus seiner Tasche und stopft sich einen der darin enthaltenen Betelbissen in die Backe. Die Betelnuss wird nämlich überall konsumiert. Auch nicht in Gebäuden oder Bussen wird davor zurückgeschreckt. Und wenn nicht durch das Fenster auf die Straße gespuckt werden kann, dann eben lautstark in einen Plastikbeutel. Wie appetitlich! Als er uns auf Englisch einen seiner Betelbissen anbietet, lehnen wir natürlich dankend ab, denn wir haben bereits von den Symptomen gelesen, die einem widerfahren wenn man zu viel davon erwischt und an das Zeug nicht gewöhnt ist. Und ich sage nur so viel, ein Alkoholrausch ist ein Klacks dagegen. Doch es juckt, brennt, kribbelt mir auf der Zunge und ich frage, warum er Betelnuss kaut. Daraufhin erklärt er mir, weil sie seinen Appetit zügelt und den Geist belebt wenn der Körper schon schwächelt. So wird er nicht so schnell müde und kann seine Arbeit viel besser erledigen.

Dass er die Arbeit besser erledigen kann, bezweifle ich, doch ich zweifle nicht daran, dass es ihn besser mit den hier herrschenden wüstenähnlichen Temperaturen fertig werden und ihn alles nicht so eng sehen lässt.

Während er so mit mir spricht, steigt mir der bereits bekannte Geruch in die Nase. Es ist ein angenehmer Duft doch kaum zu beschreiben, denn was Ähnliches habe ich noch nie gerochen. Vielleicht etwas blumig. Seifig. Zart. Ich kann es nicht sagen. Aber ich mag das Aroma, das von dem Betelbissen in seinem Mund stammt.

Ich löchere ihn noch mit weiteren Fragen und er beantwortet mir alles, was ich wissen will. Irgendwie hat es mich jetzt neugierig gemacht und es würde mich jetzt doch reizen es auszuprobieren. Doch ich traue mich nicht. Die Angst vor dem Unbekannten ist eben doch größer als der Reiz.

 

Im Gegensatz zu uns hat André von Indian Backpacker es durchgezogen. Er hat ihn probiert, den Betelbissen. Welche Erfahrungen er damit gemacht hat? Findet es heraus unter: https://indianabackpacker.de/gruene-brille-global-der-tag-dem-ich-burma-auf-betelnuss-war/

Habt ihr den Betelbissen auch schon mal probiert? Wie habt ihr es erlebt? Lasst es uns wissen!

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