Yangmingshan National Park – Wanderung zur Spitze des Mount Qixing

Ungemütlicher Regen. In die Glieder kriechende Kälte. Wind, der einem das Haar ins Gesicht peitschen lässt. Und Nebel, der einem die Sicht nimmt. Wer würde bei dieser Witterung schon eine Wanderung auf die Spitze eines Berges machen wollen? Bestimmt niemand. Doch wer sich dennoch darauf einlässt, dem wird der Mount Qixing seine wahre Schönheit offenbaren.

 

Der Yangmingshan Nationalpark liegt vor den Toren Taipehs  und hat eine Größe von 113,4 km2. Er verfügt über eine ganze Reihe an Wanderwegen. Wir haben ihn gleich zweimal besucht und somit zwei verschiedene Routen ausprobiert.

Die erste Wanderung führte uns auf die Spitze des Mount Qixing, weiter über das Xiaoyoukeng Visitor Center nach Zhuzihu und dann zurück zum Headquaters Visitor Center.

Bei unserem zweiten Trail handelte es sich um den, zum Mount Datun. Beide Wege könnten unterschiedlicher nicht sein. Während man am Weg zum Mount Qixing durch dichte Wälder stapft, wandert man am Weg zum Mount Datun durch eine ausgedehnte Graslandschaft.

Bei Regen wird die Wanderung zur Spitze des Mount Qixing zu einem mystischen Erlebnis.

 

Challenge accepted!

Als wir uns zum ersten Mal von Taipeh aus auf den Weg in den Yangmingshan National Park machen, haben wir keinen strahlenden Sonnenschein, aber das Wetter ist auch nicht wirklich schlecht. Doch als wir nach rund einer Stunde dort ankommen ist es nass, kalt und nebelig. Kurz gesagt ungemütlich. Kein Wetter, bei dem man normalerweise freiwillig vor die Tür geht. Im Headquaters Visitor Center wird uns der Weg zum Mount Qixing vorgeschlagen. Er soll der schönste, aber auch der anstrengendste sein. Challenge accepted! Der Hiking Trail Miaopu beginnt nur wenige Meter vom Infocenter entfernt. Vom ersten Schritt an heißt es Stufen steigen und sie scheinen kein Ende zu nehmen.

Bei Regen wird die Wanderung zur Spitze des Mount Qixing zu einem mystischen Erlebnis.

Geht man nur vom Miaopu Trailhead bis zum Xiaoguanyin Trailhead (in der Nähe des Xiaoyoukeng Visitor Centers) legt man einen Weg von 5,7km zurück, was ca. 3,5h in Anspruch nimmt. Dabei überwindet man 550 Höhenmeter und hat zudem eine Steigung von bis zu 19 Grad zu bezwingen. Und das spührt man! Nach kurzer Zeit fühlen sich meine Beine so schwer wie Betonblöcke und so zittrig wie Wackelpudding an. Trotz des kalten Dunstes und dem gelegentlichem Tropfenregen entledige ich mich meines Pullovers und meiner Regenjacke. Denn unter ihnen staut sich die Hitze. Als die Kälte auf meine überhitzte Haut trifft, fühle ich mich als würde ich nach dem Saunabesuch in ein Eisbecken springen. Schaurig und angenehm zugleich.

Bei Regen wird die Wanderung zur Spitze des Mount Qixing zu einem mystischen Erlebnis.

 

Stimmungswandel

Enttäuschung macht sich in uns breit. Wie gerne hätten wir den Berg in strahlendem Sonnenschein gesehen. Anstatt dessen: tief hängende Nebelschwaden. Völlig außer Puste legen wir eine kurze Pause ein. Mein erster bewusster Blick auf meine Umgebung. Ich betrachte die Treppen unter meinen Füßen, mit dem grünen flüssigkeitsgetränkten Moos, das auf die Steine kriecht. Die Äste über unseren Köpfen erscheinen mir wie Hände, die sich nach uns auszustrecken versuchen. Das leise Rascheln der Blätter klingt wie die sanften Töne einer Harfe in meinen Ohren. Um mich herum verwandeln sich die gewundenen Bäume in einen verwunschenen Wald. Und erst jetzt kann ich die mystische Aura erkennen, die die Bäume bei dieser Witterung umgibt.

Bei Regen wird die Wanderung zur Spitze des Mount Qixing zu einem mystischen Erlebnis.

Je weiter wir nach oben kommen, desto höher werden die Stufen und desto dichter der Nebel. Die Bäume weichen einer Allee aus Bambus, welche uns die letzten Meter bis zur Spitze geleiten. Oben angekommen bläst uns der Wind seinen feuchten, eisigen Atem ins Gesicht. Und anstatt des wunderbaren Ausblicks auf das Tal sehen wir nichts als weiße Wände.

Trotz dem fehlenden Blick in die Tiefe sind wir stolz, es auf den Höchsten Punkt des Qixingshan geschafft zu haben. Doch nach einigen unbequemen Minuten zieht es uns im wahrsten Sinne des Wortes wieder weg von hier. Die starken Windböhen schieben uns regelrecht den Berg hinab. Kurz vor  Xiaoyoukeng mischt sich die frische Luft mit dem unangenehmen Geruch nach schwefeligen Gasen. Aus dem Boden steigt Dampf auf und leuchtend gelbe Flecken kennzeichnen seinen Austrittspunkt. Der Mount Qixing ist ein ruhender Vulkan und dennoch findet man zahlreiche Zeichen dafür, dass es unter seiner starren Haut noch brodelt.

Bei Regen wird die Wanderung zur Spitze des Mount Qixing zu einem mystischen Erlebnis.

 

Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will. – Henri Matisse

Unser nächstes Etappenziel ist Zuzihu. Einst war dieses Tal ein großer See. Aufgrund von Erosion konnte das Wasser jedoch abfließen und so werden heute darin Blumen und Gemüse gezüchtet. Dieses überdimensionale Gewächshaus ist vor allem für seine weißen Callas bekannt, die gerade in voller Blüte stehen als wir es durchqueren.

Am Weg von Zuzihu zurück zum Headquaters Visitor Center stapfen wir erneut durch mystische, nebelverhangene Wälder. Mutterseelenallein. Nur die Geräusche des Waldes und das auftreffen vereinzelter Regentropfen auf den Blättern sind zu hören. Wir wandeln schmale Wege entlang, über die die Äste der Bäume wachsen und neben denen steile Böschungen abfallen. Der Regen wird immer heftiger und wir sehen uns bereits nach einer warmen Tasse Milchtee. Als wir sie dann endlich in Händen halten und in einem kuschlig-warmen Café sitzen zieht es mich in Gedanken noch einmal zurück in die Wälder des Mount Qixing. In meinen Gedanken marschiere ich erneut zwischen den eigenwillig gewachsenen Bäumen hindurch. Trete auf die moosüberzogenen Stufen. Streife mit den Fingern über den dicht an dicht geschmiegten Bambus. Stehe mit flatternden Haaren am windumtosten Gipfel und werde von Nebelschleiern einhüllt.

Nicht immer ist Schönheit auf den ersten Blick erkennbar, es liegt an einem selbst sie zu entschleiern.

 

Bei Regen wird die Wanderung zur Spitze des Mount Qixing zu einem mystischen Erlebnis.

 

Anfahrt:

Um in den Yangmingshan National Park zu gelangen, nimmt man entweder Bus 260 von der Taipeh Main Station oder Bus Red Nr. 5/ Bus 5S von der MRT Station Jiantan. Die Fahrt dorthin dauert rund 50min. Der Bus stoppt an der Yangmingshan Bus Station und somit nicht direkt bei der Touristeninformation des Parks, dem Headquaters Visitor Center. Um dorthin zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder geht man die Strecke zu Fuß, was ca. 15 -20 min dauert oder man fährt eine Station mit der Linie 108. Will man den Weg ohne Verkehrsmittel zurücklegen geht man auf der Endstation links an den Toiletten vorbei, über die Straße und auf der gegenüberliegenden Seite in das Gebäude hinein. Wenn man den Stufen nach oben folgt, kommt man direkt auf den Weg der einen zur Touristeninformation bringt.

Im Headquaters Visitor Center erhält man eine Karte des Areals mit integrierten Busfahrplänen. Es gibt auch Toiletten sowie ein kleines Café in dem man sich vor dem anstrengenden Marsch noch eine kleine Stärkung gönnen kann.

Rückfahrt:

Vom Xiaoyoukeng Visitor Center gibt es einen Bus (Linie 108), der einen zurück zum Headquaters Visitor Center bringt. Zudem befindet sich auch in der Nähe von Zuzihu eine Busstation (Linie S9). Ausgehend vom Headquaters Visitor Center fährt beispielsweise der Bus S9 zur MRT Station Beitou oder man fährt von der Yangmingshan Bus Station mit der Linie 260 direkt zur Taipei Main Station.

Dauer:

Für einen Besuch im Yangmingshan Nature Park sollte man einen ganzen Tag einplanen, da schon alleine die Hin- und die Rückfahrt rund 2 Stunden in Anspruch nimmt. Die Strecke, die wir gewählt haben, haben wir in rund 6 Stunden zurückgelegt. Wir sind jedoch etwas von den vorgegebenen Wanderrouten abgewichen. Die vom Park vorgegebene ist kürzer. Diese findet ihr unter den unten angeführten Links.

Das obligatorische Beweisfoto nach der Wanderung zur Spitze des Mount Quixing im Yangmingshan National Park.

 

Fazit:

Die Wanderung zur Spitze des Mount Quixing ist sehr anspruchsvoll und sollte deshalb nicht unterschätzt werden. In der Touristeninformation haben sie unserer Meinung nach nicht übertrieben. Es ist wirklich anstrengend und man kann sich auf einen Muskelkater gefasst machen. Nicht umsonst wird auf der Homepage des Parks erwähnt, dass man sich nur daran wagen soll, wenn man körperlich fit ist. Auf der Zwischenstation, Quixing Park, kann man jedoch eine Pause einlegen, um etwas zu verschnaufen. Dort findet man auch Picknickplätze und Toiletten.

Wer es sich jedoch etwas leichter machen möchte, beginnt den Trail zum Main Peak des Mount Qixing am Xiaoguanyin Trailhead, der sich in der Nähe des Xiaoyoukeng Visitor Centers befindet. Denn von dort ist der Weg nach oben mit 2,2 km nicht ganz so weit.

 

Links:

Homepage Yangmingshan National Park:
http://english.ymsnp.gov.tw/index.php?option=com_content&view=featured&gp=0&Itemid=104

Mount Qixing Trail:
http://english.ymsnp.gov.tw/index.php?option=com_linemap&view=linemap&id=40&gp=0&Itemid=520

Maps des Yangmingshan National Parks:
Maps Yangmingshan National Park

Wanderfans aufgepasst! Diese taiwanesischen Wanderwege könnten euch auch gefallen:

 

 

Besucht am: 13.03.2017

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