Singapurs Thian Hock Keng Tempel

chinesischer Tempel mit blau-rot-grünem Dach

Mit großen Augen bewege ich mich auf Singapurs Thian Hock Keng Tempel zu. Nicht zu unrecht wurde er zum Nationalen Monument erklärt. Aufwendig verzierte Säulen, an denen sich Drachen räkeln, detailreiche Holzschnitzerein, die aussehen als wären sie in pures Gold getaucht worden und… „Autsch“. Ein stechender Schmerz breitet sich entlang meines Schienbeins aus und ich kippe vorne über. Gerade schaffe ich es noch meinen Sturz zu verhindern, indem ich mich an den Seiten des Einganges festhalte. Was war das denn? Als ich wieder einen festen Stand habe und zu meinen Füßen hinunterblicke, thront eine hohe Türschwelle genau zwischen meinen Beinen. Ich atme tief aus, wobei mir ein generftes seufzen entweicht. Welcher Schlaukopf ist denn auf die Idee gekommen den Eingang zum Tempel mit so einer Stufe zu versehen?

 

Thian Hock Keng – Der „Palast des himmlischen Glücks“

Der Thian Hock Keng ist einer der ältesten und wichtigsten Hoklo-Tempel in Singapur. Die Hoklo sind eine ethnische Minderheit, deren Muttersprache Hokkien, eine Abwandlung der südchinesischen Sprache Min-Nan, ist. Dieser Dialekt stammt ursprünglich aus der chinesischen Provinz Fujian, breitete sich jedoch nach Taiwan und über weite Teile Südostasiens aus und wird heute unter anderem von Teilen der malaiischen, philippinischen und indonesichen Bevölkerung gesprochen.

Als 1821 die ersten chinesischen Einwanderer aus der Provinz Fujian Singapur erreichten, errichteten sie an der Stelle des heutigen Thian Hock Keng Tempels, eine Gebetsstätte. Diese sollte ihre Dankbarkeit gegenüber Ma Zu, der Göttin der Seefahrer und Fischer, ausdrücken. Da sie dafür gesorgt hatte, dass alle unbeschadet das singapurische Festland erreicht hatten.

Statue der Göttin Ma Zu im Thian Hock Keng Tempel in Singapur
Göttin Ma Zu

Im Laufe der Jahre nahm der Anteil der Hoklo in der Bevölkerung Singapurs zu, wodurch der kleine Schrein vermehrten Zulauf erfuhr und aus allen Nähten zu platzen begann. Daher wurde zwischen 1839 und 1842 vom in Singapur ansässigen Hokkien Huay Kuander Klan der Thian Hock Keng Tempel errichtet.

 

Die Götter des Thian Hock Keng Tempels

Wie auch schon damals ist der Tempel auch heute noch der Meeresgöttin Mazu geweiht. Ihre Statue befindet sich im Hauptschrein, der dem Eingang direkt gegenüber liegt. An ihrer Seite sind, wie so oft, ihre treuen Begleiter Thousand Miles Eye (rote Hautfarbe) und With the Wind Ear (grüne Hautfarbe) zu sehen. Über Mazu, die in anderen Teilen Asiens auch noch Thean Hou genannt wird, gibt es unzählige Legenden. Darunter auch eine, wie Thousand Miles Eye und With the Wind Ear zu ihren treuen Ergebenen wurden. Ein paar dieser Legenden habe ich in meinem Beitrag: „Die Legende von Thean Hou, der Schutzgöttin der Seefahrer und Fischer“ für dich zusammengefasst.

Der hintere Teil des Tempels wurde der Göttin der Barmherzigkeit und Gnade Kuan Yin gewidmet. Im Tempel lassen sich auch noch Schreine für den Gott der Stadt Cheng Huang Ye, den heiligen Stadthalter Kai Zhang Seng Wang und den Beschützer des Tempels Qie Lan Pu Sa finden.

Sowohl rechts als auch links vom Tempel wurden zwei chinesische Türme erbaut. Der rechte davon beinhaltet Tafeln von Immigranten, die den Tempel besucht und mitaufgebaut haben. Im linken lässt sich der Schrein des Konfuzius bestaunen.

Besonders bemerkenswert ist jedoch der Tempeleingang. Bei seinem Bau wurde kein einziger Nagel verwendet.

Thian Hock Keng Tempel in Singapur und die Geschichte der Geisterschwelle
Nebenschrein im Thian Hock Keng Tempel

 

Wenn Seelen zu Dämonen werden

Betritt man den Tempel fällt einem sofort die hohe Stufe auf – oder man stolpert wie ich einfach darüber 😅. Diese Erhöhung wird als Geisterschwelle bezeichnet. Sie dient dazu, um böse Geister und Dämonen davon abzuhalten in den Tempel zu gelangen.

Der Ahnenkult ist unter Chinesen und somit auch unter den Hoklo weit verbreitet. Nach ihrer Vorstellung trägt jeder Mensch von Geburt an zwei Seelen in sich, nämlich die Yang-Seele (Hun) und die Yin-Seele (Po). Gemeinsam bilden sie das Qi, die Lebensenergie. Stirbt ein Mensch, so lösen sich die beiden Seelen voneinander. Die Yang- Seele steigt als Ahne in den Himmel empor, während die Yin- Seele im Grab des Verstorbenen zurückbleibt.

Durch den gewaltsam herbeigeführten Tod eines Menschen, ist es den Seelen nicht möglich sich zu trennen. Wodurch sie in Form von Geistern und Dämonen im Diesseits verweilen, dort umherwandeln, vor Tempeleingängen lauern und für Unruhe sorgen.

Die Yang-Seele kann auch noch auf einem anderen Weg zurück in die Menschenwelt gelangen. Nämlich dann, wenn die Verstorbenen von den Hinterbliebenen vernachlässigt werden. Halten die Angehörigen die Geister ihrer Ahnen durch Opfergaben, wie Räucherstäbchen, Obst, Reis und Joss Papers, die mittels Verbrennung ins Jenseits transportiert werden, nicht bei Laune, dann werden diese sehr schnell unleidlich. Aufgrund ihrer Unzufriedenheit und ihres Hungers verwandeln sie sich in Dämonen und kehren als diese in die irdische Welt zurück, um dort Unfrieden zu stiften.

Der erste Innenhof des Thian Hock Keng Tempels

 

Ein kleiner Schritt für die Menschen, aber ein unmöglicher für die Geister

Böse Geister und Dämonen besitzen jedoch zum Glück nicht die selben Fähigkeiten wie wir Menschen. Sie sind nicht in der Lage die Füße vom Boden abzuheben und auch das Wechseln der Richtung zählt nicht gerade zu ihren Stärken. Diese Schwächen haben sich die Menschen seit jeher zu Nutze gemacht, indem sie an Tempeleingängen sogenannte Geisterschwellen errichteten.

Die beinahe kniehohen Türschwellen erfüllen witzigerweise auch noch einen anderen Zweck. Aufgrund dessen, dass die Schwelle so hoch ist, ist man dazu gezwungen nach unten zu sehen, um beim Darübersteigen nicht zu stolpern. Dabei senkt man automatisch demütig seinen Kopf und betritt den Tempel somit in einer respektvollen Haltung.

Der Thian Hock Keng Tempels in Singapur und die Geschichte der Geisterschwelle
Eingang zum Thian Hock Keng Tempel

 

Wer schon öfter in Asien unterwegs war, hat auch sie bestimmt schon entdeckt: zickzackförmige Brücken, die zu Tempeln und anderen heiligen Stätten führen. Vor allem in China sind sie weit verbreitet. Da sich Dämonen und böse Geister nur geradeaus bewegen können, schaffen sie es nicht diese Barrieren zu überqueren, wodurch die Zickzack-Brücken ähnlich wie die Geisterschwellen, das Eindringen dieser schabernaktreibenden Wesen in den Tempel verhindert.

Dass sich böse Geister und Dämonen nur gerade aus fortbewegen können und nicht in der Lage sind ihre Füße vom Boden abzuheben kann aber auch Nachteile für uns Menschen mit sich bringen. Wie bei Sackgassen. Denn haben sie sich erst einmal in eine verirrt, müssen sie an ihrem Ende verweilen, da eine Umkehr für sie unmöglich ist. Das ist auch der Grund warum Chinesen nur sehr ungern am Ende von Sackgassen wohnen.

 

Anfahrt zum Tempel:

Den Thian Hock Keng erreicht man am besten ausgehend von der Telok Ayer Station (Downtown Line), denn diese befindet sich nur drei Gehminuten davon entfernt. Wenn du aus der Station kommst biegst du nach links in die Telok Ayer Street und gehst immer gerade aus bis du den Telok Ayer Park erreichst. Dann durchquerst du den Park und biegst dann wieder nach links, von dort aus sind es dann nur noch wenige Schritte bis du vor dem Eingang des Tempels stehst.

 

 

Besucht am: 24.03.2015

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4 Comment

  1. Den Tempel will ich unbedingt noch sehen!
    Wollte ihn einmal ausgehend von Chinatown aus suchen, hab mich aber irgendwie verlaufen und dann hatte ich keine Lust mehr 😀
    Scheint sich definitiv zu lohnen und sieht echt toll aus! 🙂

    Liebe Grüße aus Singapur <3

    1. Nicole sagt: Antworten

      Hi! Uns hat der Tempel wirklich gut gefallen. Wenn du noch Zeit hast solltest du ihn dir wirklich ansehen.
      Liebe Grüße!

  2. Vielen Dank Nicole für den Tempeltipp!
    Wir werden im Juni wieder in Singapur sein und sind immer auf der Suche nach nicht so touristischen Orten, wo wir das letzte Mal noch nicht waren.
    Liebe Grüße

    Alex

    1. Nicole sagt: Antworten

      Gerne! Liebe Grüße, Nicole

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