Nika

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Hallo! Mein Name ist Nika, ich bin 31 Jahre alt und Reisen ist meine große Leidenschaft.
Obwohl ich auch schon viele andere Länder bereist habe, lässt vor allem Südostasien mein Herz höherschlagen.

Das Reisen wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt, schon als kleines Mädchen nahmen mich meine Eltern mit auf ihre Reisen. Damals noch wegen einer Krankheit, doch über die Jahre hinweg hat sich das Reisen für mich zu etwas entwickelt, dass sich schwer in Worte fassen lässt. Reisen gibt mir ein Gefühl der Freiheit, der Unbeschwertheit und des Glücks, nur auf meinen Reisen fühle ich mich lebendig.

Als im Jahr 2012 mein Vater gestorben ist, hat das etwas in mir verändert. Ich fühle seither immer mehr und mehr, dass ich das Leben das ich bis jetzt geführt habe nicht mehr weiterführen kann. Der Drang Österreich für eine Zeit lang hinter mir zu lassen wird immer mächtiger und ich sehne mich danach unterwegs zu sein, in den Wäldern, Bergen und Wüsten dieser Welt. Ich fühle mich zunehmend wie in einem Vogelkäfig gefangen, mir fehlt die Luft zum Atmen. Meine Flügle schlagen gegen die Gitterstäbe und ich stürze zu Boden. Ich rapple mich auf und versuche es erneut, versuche auszubrechen aus dem Gefängnis in das ich hineingeboren wurde.

Mir wird immer deutlicher bewusst, dass alles was ich mir aufgebaut habe und für das ich gekämpft habe keinen Wert mehr für mich besitzt. Nichts ergibt mehr einen Sinn. Ich beobachte die Menschen in den Einkaufsstraßen und sehe wie sie massenweise Kleidung und Elektrogeräte mit nach Hause schleppen und komme nicht umhin mir zu denken, wie naiv sie alle sind. Sie alle versuchen sich zu belohnen für Sachen die sie gut gemacht haben. Auch ich bin einmal so gewesen „Heute habe ich so viel gearbeitet, dafür kaufe ich mir jetzt ein neues T-Shirt, man lebt ja schließlich nur einmal. Genau! Man lebt nur einmal!“ Um das zu erkennen musste ich erste einen geliebten Menschen verlieren.

Durch den Verlust meines Vaters habe ich erkannt, dass mir die Zeit davonläuft. Ich werde von Tag zu Tag älter, doch jeder Tag gleicht dem anderen. Das Leben muss doch mehr für mich bereithalten?

Doch so wie ich mein Leben zurzeit führe, kann man wohl kaum von Leben sprechen. Ich gehe jeden Tag brav zur Arbeit, Tag für Tag, Woche für Woche immer das Gleiche. Das Leben zieht an mir vorbei, und ich bin nur Zuseher, eine Marionette deren Fäden gezogen werden anstatt dass sie sie selber zieht. Ich funktioniere. Mein Körper und mein Geist wehren sich und ich versuche immer noch weiterzumachen. Doch wozu das alles, warum sich abmühen und quälen, wo es doch so viele schöne Dinge im Leben gibt an denen man sich erfreuen sollte. Dabei denke ich an Dinge wie einen Berg besteigen, mit einem Segelboot den Pazifik durchqueren, Tiger in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten, Reisfelder bepflanzen, mit Delphinen schwimmen usw.  Das Leben ist zu kurz um Dinge zu tun die man nicht mag und sich mit Menschen herumzuschlagen, die einem den letzten Nerv rauben. Also wozu das alles? Für Geld? Ein altes Sprichwort sagt „Zeit ist mehr wert als Gold“.  Wenn ich später mal auf mein Leben zurückblicke möchte ich zu mir selbst sagen können, dass ich wirklich gelebt habe, dass ich das Leben genutzt habe, dass mir geschenkt wurde.

Und anstatt immer zu funktionieren und mich selbst zu belohnen um das Leben angenehmer und erträglicher zu machen, sollte ich meinen ganzen Mut zusammennehmen und beginnen wahrhaftig zu leben. Und das tue ich jetzt mein Entschluss steht fest, ich öffne meine Flügel und fühle wie die Kraft langsam in sie zurückströmt. Ich beginne mit ihnen zu schlagen und bemerke, wie kleine Dellen, an den Stellen wo meine Flügel sie berührt haben, in den Gitterstäben meines Käfigs zurückbleiben. Ich schlage heftiger und die Dellen wachsen zu Beulen an, die Stäbe bekommen Risse, sie brechen und plötzlich bin ich frei!

Von nun an gehe ich selbstbestimmt durchs Leben, ich lasse mir nicht mehr vorschreiben was ich zu tun und zu lassen habe und wann ich wo zu sein habe.
Von nun an erfülle ich nicht mehr die Erwartungen der Anderen, sondern nur mehr meine eigenen!

Von nun an reise ich nicht mehr um zu leben, sondern lebe ich um zu reisen!